Unsere nächste Veranstaltung gemeinsam mit der Landeshauptstadt München
Tukan-Preis 2019 | Verleihung des Buchpreises der Stadt München
   

Herbert Kapfer
1919. Fiktion

  1919 Herbert Kapfer

Wie in jedem Jahr geht der mit 6.000 Euro dotierte Tukan-Preis der Landeshauptstadt München an die formal und inhaltlich beste belletristische Neuerscheinung eines Münchner Autors/einer Münchner Autorin. Die Verleihung findet in Zusammenarbeit mit dem Tukan-Kreis statt.

Aus der Jurybegründung:
Dieses Buch ist ein Kunstwerk – auch wenn der Autor gleich zu Beginn bekennt, kein Wort selbst geschrieben zu haben. Doch Herbert Kapfers Collage „1919. Fiktion“ (Verlag Antje Kunstmann) verbindet auf so beeindruckende Weise Stimmen, Bilder, Nachrichten, Romanfragmente aus dem Revolutions- und Wendejahr, dass ein Stück Menschengeschichte lebendig wird. Die Form passt perfekt zum Inhalt, indem sie die Atemlosigkeit und Zerrissenheit jener Zeit spiegelt. Die zerstörten Illusionen, der fehlgeleitete Patriotismus und die Sehnsucht nach Erlösung, die die Weimarer Republik prägten, sie drücken sich in den ganz unterschiedlichen Texten der Zeitzeugen aus. Kapfer lässt so bekannte Autoren zu Wort kommen wie Oskar Maria Graf oder Ernst Toller, aber auch weniger bekannte wie den feinsinnigen Dadaisten Richard Huelsenbeck, und vergessene wie Joseph Delmont mit seinem phantastischen Kriegsroman über „Die geheime Stadt unter dem Meer“ oder Sophie Hoechstetter mit ihren melodramatischen Schilderungen von aus dem Baltikum geflohenen Deutschen. Der Krieg ist verloren, die Ideologen haben Oberwasser und bekämpfen sich bitterlich. Was fehlt, ist die Kraft zur Versöhnung. Monarchisten und Anarchisten, Soldaten und Bürgert.chter, Gymnasiasten und Arbeiter, Sozialromantiker und Antisemiten, sie alle suchen die Erneuerung Deutschlands. Und es ist alles schon da: die Sehnsucht nach einem starken Mann („Wo bleibt der deutsche Führer?“), der Rassenhass, die Gewaltbereitschaft. Herbert Kapfer rüttelt seine Leser mit dieser Symphonie aus Stimmen auf. Sie bleibt lange im Ohr.

Der Jury des Tukan-Preises 2019 gehörten folgende Mitglieder an: Sabine Abel | Knut Cordsen | Petra Hallmayer | Prof. Dr. Annette Keck | Dr. Fridolin Schley und aus dem Stadtrat Kathrin Abele | Beatrix Burkhardt | Thomas Niederbühl | Marian Offman | Klaus Peter Rupp

      
Herbert Kapfer© Privat
  Herbert Kapfer, 1954 in Ingolstadt geboren, leitete von 1996 bis 2017 die Abteilung Hörspiel und Medienkunst im Bayerischen Rundfunk. 2017 erschienen die Bücher „Verborgene Chronik 1915 – 1918“ (mit Lisbeth Exner) und die Essaysammlung „sounds like hörspiel“.

Im Anschluss an die Preisverleihung laden die Landeshauptstadt München/Kulturreferat und der Tukan-Kreis zu einem kleinen Empfang ein.

Die Preisverleihung ist öffentlich.
Anmeldung erbeten unter 089 29 19 34 27.

 

Die Jury sprach weitere Buchempfehlungen aus für:
Dagmar Leupold „Lavinia“ (Jung & Jung)
Christoph Poschenrieder „Der unsichtbare Roman“ (Diogenes)
Lea Singer „Der Klavierschüler“ (Kampa)
Dana von Suffrin „Otto“ (Kiepenheuer & Witsch)

17. Dezember 2019
19.00 Uhr
 
Eintritt frei

Begrüßung und Überreichung der Urkunde: 
Stadträtin Kathrin Abele

Grußworte:

Dr. Hans Dieter Beck 

Leiter des Tukan-Kreises



Laudatio:
Raoul Schrott

Dank und Lesung des Preisträgers:
Herbert Kapfer

Musik:
Evi Keglmaier
(Stimme & Bratsche)

Literaturhaus
Salvatorplatz 1
80333 München

 

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