4. Februar 2026 | 19.30 Uhr
Peter Waterhouse | Z Ypsilon X
Niemand in der Familie sprach gern über den Großvater, der als Hauptschriftleiter eine zentrale Rolle in der österreichischen NS-Propaganda innegehabt hatte. Niemand beachtete die Bücher, die dieser gesammelt hatte, Bücher von Karl Kraus, Peter Altenberg und vielen anderen, die in den Regalen der Nachkommen zusehends verstaubten. Niemand – bis hundert Jahre nach dem Tod des Großvaters das Enkelkind in ihnen zu lesen beginnt und eine ungeahnte Gegenwelt entstehen lässt. Eine Welt des Zögerns und Fragens, konturiert durch Anstreichungen und Randnotizen, Widmungen und Lesezeichen, in der das Wort nicht dem kriegstreibenden „Voran“ und der Gewalt gewidmet wird, sondern all dem Unterbrochenen, Leisen, Möglichen, das scheinbar noch die Vergangenheit zu verändern weiß.
Peter Waterhouse legt mit „Z Ypsilon X“ ein Opus magnum in drei Teilbänden vor und erfindet, sich rückwärts durch die eigene Familiengeschichte bewegend, die Wirklichkeit und Welt radikal neu – ein Manifest gegen das mächtige Ich, gegen den Betrachter und das Betrachten, ein Manifest für die Offenheit und das Widersprüchliche.
Moderation: Eberhard Falcke